Thüringische Bora

Eigentlich war für das Wochenende kein Sturm vorhergesagt. Dennoch ist es vor allem in einigen Abschnitten südlich des Thüringer Waldes bis hin zum Vogtland zu teils verheerenden Sturmschäden gekommen. Besonders am Aschberg bei Bad Liebenstein und im Wald entlang der Bundesstraße 84 von Eisenach gen Süden wurde von großen Waldschäden berichtet. Im Forstamt Oberhof wurde die Schadenssumme höher beziffert, als bei den Stürmen HERBERT und FRIEDERIKE dieses Winters zusammen [1, 2]. Durch die starken Sturmböen wurde zudem beim Weltcup im vogtländischen Klingenthal das Springen der Kombinierer abgesagt [3].

Doch warum gab es hier solch große Schäden? Sicherlich waren die Wälder durch die noch nicht gänzlich beseitigten Vorschäden anfälliger. Zudem brachten der Neuschnee der letzten Tage gepaart mit Nebelfrostablagerungen in den höheren Lagen schwere Schneelasten und der Wind wehte aus ungewohnter Nordostrichtung. Dennoch muss es noch etwas anderes gegeben haben, was zu derartigen Schäden geführt hat.

Die Meteorologen der Berliner Wetterkarte gehen von einem seltenen Phänomen aus, den sie „thüringische Bora“ nennen: „Zunächst gelangte die flach einfließende Kaltluft mit starkem Luftdruckgradienten an die Nordseite des Thüringer Waldes. Da aber in höheren Luftschichten noch eine Sperrschicht durch mildere, aufgleitende Luftmassen vorhanden war, wirkte der Rennsteig wie eine Art Düse. Je nach lokaler Gegebenheit kam es auf der Südseite dieses Gebirges zu massiven Fallwinden mit durchaus extremen Böen, wie das Schadensbild zum Beispiel aus Bad Liebenstein erschließen lässt. Dort wurde ein gesamtes Waldgebiet dem Erdboden gleichgemacht.“

Die höchsten Werte wurden im Erzgebirge auf dem Fichtelberg (95km/h) und in Thüringen auf der Schmücke (73km/h) und in Neuhaus am Rennweg (63km/h) gemessen. Von den Schadensgebieten liegen leider aufgrund der geringen Stationsdichte in diesem Gebiet keine Daten vor. Auch die Vorhersagemodelle hatten diese durchaus gefährliche Lage nicht erkannt. (ch)

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