20.10.2017 – Extrem langes Abendrot und Fallstreifen

Fallstreifen

Am letzten Freitag gab es sehr seltsames, aber auch sehr fotogenes Wetter. Als uns die erste Regenstaffel des über die Nordsee hinweg ziehenden Tiefs DIETRICH erreichte, gab es rings um den Fichtelberg herum zahlreiche Fallstreifen, die zum Tagesende wunderschön von der Sonne beleuchtet wurden. Diese streifigen oder schlierigen Wolkenstrukturen unterhalb der Wolkenbasis entstehen durch Eiskristalle oder Regen, die auf ihrem Weg nach unten verdunsten und den Erdboden nicht erreichen. Se entstehen meist dann, wenn höher gelegene, sehr feuchte Luftmassen auf eine trockenen Luftschicht aufgleitet.

Am Abend gab es dann an tiefen Stratocumuluswolken ein sehr spätes und langes Abendrot, welches nicht nur über dem Erzgebirge stand, sondern auch in Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg beobachtet wurde. Nach einem relativ normalen, weniger auffälligen Sonnenuntergang um 18.10 Uhr begannen erst gegen 18.40 Uhr die tiefen Wolken seltsam dunkelrot zu leuchten! Visuell verblasste das letzte Rot um 19.10 Uhr, also eine Stunde nach Untergang der Sonne, welche zu dieser Zeit bereits 11° unter dem Horizont stand.

 

Beide Erscheinungen haben wahrscheinlich die gleiche Ursache: Den hohen Staubgehalt in der Atmosphäre durch Rauch und Saharastaub (siehe Artikel „Wüstensonne“ 1 und 2). Je mehr feste Aerosole sich in der Atmosphäre befinden, desto größer ist die Anzahl an Kondensationskeimen, an denen sich Wassertröpfchen bilden können. Wenn die vorhandene Feuchte auf eine viel größere Anzahl von Keimen trifft und zu mehr Wassertröpfchen kondensiert, werden diese natürlich entsprechend kleiner und können auf dem Weg zur Erde eher verdunsten.

Auch für das lange Abendrot war die erhöhte Staubkonzentration verantwortlich. Abendrot entsteht bei tiefen Sonnenstand, wenn beim langen Weg des Lichtes durch die Atmosphäre vom Farbspektrum nur noch das langwellige Rot übrig bleibt da alle anderen Farben von den Aerosolen weggestreut wurden (Grafik). Je zahlreicher die Aerosole sind, desto mehr wird das Licht natürlich gestreut. An diesem Abend kamen zum Staub noch unzählige Wassertröpfchen hinzu. An Aerosolen wird das Licht wesentlich stärker als an Luftmolekülen in einem Bereich von bis zu 30° in Vorwärtsrichtung gestreut, wobei auch hier viel mehr rotes als blaues oder grünes Licht gestreut wird. Wenn dieses intensive rote Licht die Wolken von schräg unten beleuchtet und von dort in unsere Augen reflektiert wird, sieht man daher auch dann noch etwas, wenn die Intensität unter normalen Bedingungen (also einer weniger aerosolbelasteten Atmosphäre) nicht mehr ausreichen würde. (CH, Hans-Joachim Schlichting)

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3 Antworten zu 20.10.2017 – Extrem langes Abendrot und Fallstreifen

  1. So einen schönen Aussichtspunkt wie ihr auf dem Fichtelberg hätte ich auch gern – tolle Bilder!

    Gefällt 2 Personen

  2. meteocb schreibt:

    Kann ich dem „ganz gefährlichen Grizzly“ nur Recht geben. Tolle Motive aber noch viel schönere Farben. Besonders die Wolkenstrukturen verleihen dem Ganzen einen wirklich passenden Sonnenuntergang. Klasse 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. Anette Aslan schreibt:

    Wer wird hier noch diese wundervollen Fotos hochladen und der Öffentlichkeit zum Staunen und Wundern bereitstellen, wenn die Station bald nur noch vollautomatisch und ohne Menschen betrieben wird? Allein wegen dieser visuellen Beobachtungen sollte die Station mit ihrer ausserordenliche Lage zum Weltkulturerbe ernannt werden.

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