Messung von Nebelniederschlag

Seit einiger Zeit haben wir ein neues Messgerät, welches bei Führungen besonderes Interesse auf sich zieht: einen sogenannten Nebelsammler. Dieser Nebelmesser (nach Grunow) hat eine zylindrische Auffangfläche und ist mit Teflonfäden bespannt, so dass Nebel- und Wolkentropfen aus allen Himmelsrichtungen aufgefangen und in einen Sammelbehälter abgeleitet werden können.

Bei Nebelwasser handelt es sich nicht um fallenden Niederschlag, da die Tropfenfallgeschwindigkeit der kleinen Nebeltröpfchen zu gering ist. Deshalb kann die Wassermenge mit normalen Niederschlagsmessern nicht gemessen werden. Dennoch ist die Menge, die bei der Advektion stark nässenden Nebels von Wäldern ausgekämmt wird, so groß, dass Inseln wie z.B. Teneriffa ein Teil ihres Trinkwassers daraus beziehen. Zudem wird in verschiedenen Feuchtluftwüsten das Nebelwasser mit Hilfe von Nebelwasserkollektoren für die Wasserversorgung eingesetzt.

Auch auf dem Fichtelberg kämmen die Bergwälder eine große Menge Wasser aus dem Nebel und sorgen so für eine zusätzliche Niederschlagsspende, die für den Wasserhaushalt der Wälder von Bedeutung ist. Vor allem bei Wind steigen die gemessenen Mengen rasant an. Diesen Effekt kann man sehr gut bei Temperaturen unter 0°C beobachten, dann frieren die Nebeltröpfchen an Bäumen und senkrechten Masten an und bilden zum Teil immense Nebelfrostablagerungen, die manchmal mit rasanter Geschwindigkeit dem Wind entgegen wachsen. 3cm pro Stunde sind keine Seltenheit, insgesamt können sie auf dem Fichtelberg bis zu 2 Meter anwachsen. Sie sehen an den Bäumen und Gebäuden wunderschön aus, sind aber für den Wetterbeobachter eine echte Herausforderung, da sie eine ständige Enteisung und Reinigung der Messgeräte erfordern.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass es zwischen der normalen Niederschlagsmessung und der Messung des Nebelwassers mitunter starke Differenzen gibt, die es allerdings noch zu quantifizieren gilt. Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), die TU Dresden und der Deutsche Wetterdienst arbeiten derzeit an der Interpretation der Werte und planen Auswertungen bezüglich der Abhängigkeit von Windeinfluss sowie Nebeldauer, -dichte und –intensität. Auf diese Analysen sind wir schon sehr gespannt und hoffen, dass in dem einen Jahr, in dem die Wetterwarte Fichtelberg noch mit Personal besetzt ist, genügend Messungen zustande kommen, um aussagekräftige Ergebnisse erzielen zu können. (ch, mb)

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