Gespiegelte Strahlen

Manchmal treten auf dem Fichtelberg Wetterphänomene auf, die man dort überhaupt nicht vermutet. Eins davon konnten wir (ch, mb) in der letzten Woche beobachten. Die Sonne stand nicht sichtbar hinter einer Wolkendecke und dennoch waren auf dieser Strahlen zu sehen. Diese gingen nicht, wie es physikalisch sein sollte, radial von der Sonne aus, sondern schienen ihren (gedachten verlängerten) Schnittpunkt am Horizont, genau genommen direkt am Auersberg zu haben.

Normale Strahlenbüschel gehen von der Sonne aus und entstehen, wenn Schatten von Wolken bei Dunst oder nach Regen auf eine Leinwand aus unzähligen Wassertröpfchen fallen und dort als Schatten abgebildet werden. Ihre fächerartige Ausbreitung beruht auf einem perspektivischen Effekt, denn eigentlich sind alle Strahlen parallel. Aber genauso wie Eisenbahnschienen in der Ferne zusammengehen, laufen auch die Wolkenstrahlen in einem Punkt zusammen. Wenn die Sonne sehr tief steht oder gerade untergegangen ist, können sich die Licht- und Schattenstrahlen über den gesamten Himmel erstrecken (Dämmerungsstrahlen) und am Sonnengegenpunkt zusammenlaufen (Gegendämmerungsstrahlen).

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„Normale“ Strahlenbüchel am Fichtelberg (ch)

Aber zurück zu unserer Beobachtung von letzter Woche. Da Strahlen also in ihrer erzeugenden Lichtquelle zusammenlaufen, muss sich eine zweite am Horizont befinden.  Des Rätsels Lösung liegt höchstwahrscheinlich in der fast 30km entfernten Talsperre Eibenstock. Dort hat die Sonne geschienen und sich auf der Wasseroberfläche gespiegelt. Diese gespiegelte Sonne hat schließlich ihre durch die Wolkenkante entstandenen Strahlen auf die Wolkenunterseite reflektiert, so dass wir sie vom Fichtelberg aus sehen konnten.

Oft dürften diese gespiegelten Crepuscularstrahlen, so die wissenschaftliche Bezeichnung, nicht möglich sein, nur wenn die Sonne horizontnah genau über dieser oder einer anderen Talsperre steht, zudem Wolken für das benötigte Licht- und Schattenspiel zur Verfügung stehen und eine Wolken- oder Dunstleinwand zur Verfügung steht, kann diese Erscheinung entstehen.

Auf der Zugspitze konnte Claudia Hinz bereits eine ähnliche Beobachtung machen, hier fungierte der viel größere Bodensee als Spiegelfläche. [Link]

Ein sehr eindrucksvolles Foto von gespiegelten Strahlen gelang dem Naturfotografen Jarda Fous. Am 28.06.2015 konnte er im Nebel an der tschechischen Talsperre Klíčava sowohl die normalen Strahlenbüschel als auch die der gespiegelten Sonne ablichten und somit dieses Phänomen eindrucksvoll dokumentieren. Vielen Dank an Jarda für das eindrucksvolle Foto! (ch)

Jarda Fous

„Normale“ und gespiegelte Strahlen an der tschechischen Talsperre Klíčava. Foto: Jarda Fous

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2 Antworten zu Gespiegelte Strahlen

  1. Ein tolles Phänomen und tolle Beobachter. Das muss man erst einmal sehen! Ich habe so etwas in natura vor vielen Jahren nur einmal in Holland gesehen und es auch wohl nur deshalb erkannt, weil parallele Wasserstraßen identifizierbar waren.

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