Der Böhmische Wind

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Böhmischer Nebel am Keilberg (ch)

In der letzten Woche hat er wieder entscheidend das Wettergeschehen auf dem Erzgebirgskamm geprägt – der Böhmische Wind. Diesem regionalen Phänomen möchten wir uns in zwei Teilen näher widmen.

Teil I – Der Böhmische Wind und seine Entstehung

Beim Böhmischen Wind handelt es sich um ein regionales Windsystem. Eine Vorbedingung für seine Entstehung ist ein nahezu ortsfestes Hochdruckgebiet über dem östlichen Mitteleuropa, in dem die Luft großräumig absinkt. Im Böhmischen Becken herrscht dann höherer Luftdruck als westlich davon. Zudem bildet sich im Winterhalbjahr im Einflussbereich des Hochs oft eine über mehrere Tage anhaltende Inversion (stabile Schichtung der Atmosphäre, bei der die Temperatur mit der Höhe zunimmt), sodass sich das Böhmische Becken mit einer etwa 800 bis 1000 Meter mächtigen Kaltluftschicht anfüllen kann. Aufgrund der Tatsache, dass kalte Luft schwerer ist als warme, sinkt sie zu Boden. Daher bildet sich dort ein kleinräumiges Kältehoch. Die nun vor Ort lagernde Kaltluft neigt wegen des fehlenden Austauschs mit darüber liegenden Luftschichten außerdem noch zu Nebel- und Hochnebelbildung. Ins angrenzende Sachsen und Bayern kann sie sich aufgrund der Orografie nicht ausbreiten. Nicht nur, aber auch dadurch, herrscht in Sachsen und Bayern aber relativ gesehen niedrigerer Luftdruck. Nun ist die Natur bestrebt, diese Unterschiede auszugleichen, was durch Wind geschieht, welcher bekanntlich vom hohen zum tiefen Luftdruck weht. Jedoch behindern die Randgebirge, durch die Böhmen von drei Seiten umgeben ist, diesen Ausgleich. Dieser ist nur auf zwei verschiedenen Wegen möglich:

Einerseits kann die Inversionsobergrenze etwas höher liegen als die Kammlagen des Osterzgebirges. Dann schwappt die Kaltluft über die Kammlagen, wo sie für eine ziemlich dicke „Nebelsuppe“ sorgt. Die Kaltluft, die über den Kamm streicht, weht als Fallwind in die Täler. Weiter westlich ist das Erzgebirge höher, weshalb dort die Kamm- und Gipfellagen wolkenfrei und wärmer sind. Veranschaulicht wird dies durch die Grafik.

Andererseits kann die Kaltluft auch bei niedrigerer Inversionsobergrenze direkt in die Durchbruchtäler als kalter Fallwind abfließen. Der Wind wird in den Durchbruchstälern durch Kanalisationseffekte noch verstärkt. Aufgrund des Gefälles fließt die Kaltluft im Tal selbst immer schneller, sodass Sturmböen, teilweise sogar schadensträchtige Orkanböen, auftreten können.

Außerdem liegen die Temperaturen im Elbtal und in der Lausitz aufgrund der einfließenden Kaltluft deutlich niedriger als im Umland, im Winter herrscht oft Dauerfrost, mit zum Teil erheblichen Schneeverwehungen. (M. Sc. Met. Stefan Bach)

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