Was war dran am Supermond?

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Nicht ganz ernst gemeinte Montage zum Supermond auf dem Fichtelberg. Bild: Christoph Perret, http://www.cp-photographics.de

Heutzutage neigen die Medien dazu, auch Himmelsphänomene zu übertreiben. Der rötliche vom Reststreulicht beleuchtete Mond während einer Mondfinsternis wird zum Blutmond, der rötliche Mondaufgang zur Sommersonnenwende zum Erdbeermond und nun haben wir auch noch den Supermond, der angeblich am Montag riesig und feurig am Himmel stand. Diese Begriffe breiten sich seit Jahren „viral“ im Internet aus und müssen von den Fakten her kritisch gesehen werden.

Doch was war wirklich so super am letzten Vollmond? Viele Mondbeobachter waren enttäuscht und fanden den Supermond recht unspektakulär. Denn letztendlich kann die visuelle Größe des Mondes von der Erde aus gesehen zwar um bis zu 14 Prozent variieren, aber das wird vom menschlichen Auge kaum wahrgenommen. Messgeräte oder Landmarken auf Fotos eines Mondauf- oder -untergangs können den Größenunterschied natürlich zeigen.

Bekanntlich ist die Mondbahn eine Ellipse, weshalb der Mond jeden Monat einmal minimal und einmal maximal entfernt von der Erde steht.  Im fernsten Bahnpunkt (Apogäum) hat der Mond eine Entfernung von etwa  408.000 Kilometer, während im nächsten Punkt (Perigäum) die Entfernung etwa 357.000 Kilometer betragen kann.

Als Supermond wird es nun üblicherweise angesehen, wenn der Vollmond plus/minus 24 Stunden mit dem Zeitpunkt jenes Minimalabstands (Perigäum)  zusammenfällt. Und das passiert fast jedes Jahr ein- oder mehrmals.

Am 14.11.2016 war der Mond um 12:30 Uhr nur 356.536 Kilometer von der Erde entfernt und nur 2 Std. 23 min später voll. Das war tatsächlich der uns nächste Supermond seit dem 26. Januar 1948. Erst am 25. November 2034 kommt uns der Mond in Vollmondstellung wieder so nahe.

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Vollmond am 14.11.2016 um 17.16 Uhr. Foto: Wolfgang Keilig

In einem kleinen Experiment, das jeder zu Hause nachvollziehen kann, lässt sich der Größenvergleich gut mit einer 1-Euro-Münze und 2-Euro-Münze darstellen. Dabei entspricht die 1-Euro-Münze der Größe des Vollmondes zum Zeitpunkt seines erdfernsten Punkt (Apogäum), während die 2-Euro-Münze die Größe des Vollmondes zum Zeitpunkt seines erdnahsten Punkt (Perigäum) darstellt. Sofort stellt man einen Größenunterschied zwischen den beiden Euromünzen fest. Legt man nun die beiden Münzen aufeinander, ist dieser Unterschied nur noch sehr gering und beträgt gerade mal am Rand 1,75 mm. Stellt man sich diesen Unterschied anhand der Vollmondphasen am Himmel vor, wird man schnell zu der Erkenntnis kommen, dass dieser vom Gelegenheitsbeobachter kaum erkennbar ist, einfach weil ihm meistens ein Vergleichsobjekt fehlt. Ein Vollmond im Apogäum, auch Minimond genannt, tritt nämlich erst ein halbes Jahr später auf.

Einige Beobachter fanden am 14.11. den Mond beim Aufgang  in der Tat  größer als normal. Allerdings erscheinen Sonne und Mond am Horizont immer größer. Das ist jedoch eine optische Täuschung, die sog. Mondillusion. Stellt man sich den Himmel als Halbkugel vor, dann ist das Gesichtsfeld in Richtung Horizont kleiner als im „kugeligen“ Zenit. Man sieht also im Zenit einen größeren Himmelsausschnitt, weswegen alle Objekte kleiner erscheinen als am Horizont.

Bleibt noch die umgekehrt quadratisch mit dem Abstand variierende Helligkeit des Vollmondes, welche im Fall des Supermonds um 30% größer sein kann als bei einem Minimond. Doch ist auch dies nur messtechnisch nachzuweisen, weil es für den Mond keine Vergleichsobjekte am Himmel gibt. Beim Supermond des 14.11.2016 trat trotz des Entfernungsminimums zwar eine höhere, aber dennoch keine Rekordhelligkeit auf; denn er stand nur ungefähr in einer Linie mit Erde und Sonne. Nur wenn das gleichzeitig der Fall ist, also z.B. unmittelbar zu Beginn oder Ende einer Mondfinsternis wird der Mond auch superhell, nämlich um noch einmal bis zu 30% mehr. Das ist der sog. Oppositionseffekt.

Neben weiteren Faktoren spielt schließlich auch die Klarheit der Luft noch eine große Rolle. Aerosole wie Staub oder auch Wassertröpfchen (Feuchtigkeit) streuen das Mondlicht und setzen die Helligkeit herab.

Der nächste Vollmond ist am 14.12., einen Tag nach dem Perigäum mit einen Erdabstand von 358.402km. Der Mond ist also gerade einmal 2000 Kilometer weiter entfernt als der diesmonatige Supermond und wird mit großer Sicherheit nicht weniger eindrucksvoll. (ch,  Prof. Dr. Elmar Schmidt, wh)

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