Beobachtungsmöglichkeiten für Haareis

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Haareis an morschen Holz. Fotos: Reinhard Nitze

Kennen Sie Haareis? – Nein?
Haareis ist ein biologisch-physikalisches Phänomen, welches bevorzugt in Laubmischwäldern auf verrottenden, morschen Holz auftritt. Dabei entstehen auffallend weiße, haarige, an Zuckerwatte erinnernde Eislocken. Die Erscheinungsformen sind dabei sehr unterschiedlich, mal erscheint es wie gekämmte Schafswolle, dann wie abgeschnittene Pinselköpfe, erinnert auch mal an Flechten, faserige Mineralien – oder es sieht aus wie ein weggeworfenes Papiertaschentuch, mit dem aus der Distanz auch am häufigsten verwechselt wird. Allen gemeinsam ist aber ihre faserig-kristalline, manchmal kettenartig eingeschnürte und überzuckerte Grundstruktur.

Den Gebilden liegt die Zersetzungsaktivität von Pilzen im morschen Holz zu Grunde. Dabei wird Wasser freigesetzt, welches durch feine Kapillare im toten Holz nach außen gelangt und bei Temperaturen von 0° oder leicht darunter zu eben diesen Eishaaren gefriert. Das funktioniert solange wie das Holz nicht selbst durchfriert. Im Gegensatz zu Reifkristallen gefriert dabei flüssiges, aus dem Holz stammendes Wasser. Die Atmosphäre ist daran nicht beteiligt. Der genaue Vorgang konnte erst vor Kurzem geklärt werden.

Auch wenn die letzten sommerlichen Temperaturen noch gar nicht solange her sind und daher dieser Beobachtungshinweis etwas verfrüht erscheint, so zeigt ein Blick auf die Wetterkarten, das in Kürze Wetterbedingungen herrschen könnten, die genau dieses Phänomen ermöglichen.

Die Idealbedingungen sind etwa so, das nach einer milden Periode mit (leichten) Regen eine abendliche Aufklarung mit Boden- oder leichten Nachtfrost folgt. Sobald man also morgens wieder die Scheiben an den Autos freikratzen muss, besteht auch die Möglichkeit, in den Wäldern Haareis zu finden. Saison ist etwa von Oktober bis Anfang März, vom Hochwinter vielleicht einmal abgesehen. Am besten schaut man unter Eichen, Buchen und evtl. auch unter Lärchen. Andere Nadelgehölze sind allerdings nicht geeignet.

Etwas Glück braucht man bei der Suche allerdings schon, denn es ist wahrlich kein Massenphänomen. Ähnlich wie bei den (Speise-)Pilzen, gibt es da gute und schlechte Jahre. Nicht immer kann man fündig werden, selbst wenn die Bedingungen augenscheinlich perfekt sind. Auch die Standorte scheinen eine Rolle zu spielen. Wie das Jahr letztendlich ausfällt, weiß man leider erst hinterher. (Reinhard Nitze)

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