Altweibersommer

Am 1. September war meteorologischer Herbstanfang und der Sommerausklang scheint nun das zu bringen, worauf wir den gesamten Sommer vergeblich gewartet haben – stabile Hochdruckgebiete. Nach den Hochs GERD, HARALD und IAN folgt nach kurzer Störung durch Tief NETTL mit 5 bis 15 Liter pro m² Regen im Erzgebirge nun JOHANNES, der goldene Apostel des Altweibersommers. Er ist Gesandter des Azorenhochs, das sich wie eine Zunge bis nach Mitteleuropa ausstreckt. Zusätzlich wird mit einer südwestlichen Strömung warme Luft aus dem Mittelmeerraum zu uns geführt, so dass vor allem am Donnerstag die Temperaturen im Erzgebirge nochmals bis auf 30°C steigen könnten. Und wie es aussieht, scheint der Spätsommer mit angenehmen Temperaturen bis nach Monatsmitte zu bleiben. Zwar wagen Tiefs einen neuen Anlauf, das nächste Hoch steht aber schon in den Startlöchern.

Der Altweibersommer zählt zu den wichtigsten Singularitäten im jährlichen Witterungsablauf. Dabei handelt es sich um eine Schönwetterperiode, die regelmäßig von Mitte September und bis Anfang Oktober auftritt. Sie wird durch beständigen hohen Luftdruck über dem Festland oder durch eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa verursacht. Dabei führen südliche bis östliche Winde trockene Warmluft nach Mitteleuropa. Tagsüber wird es sommerlich warm, während es sich in den klaren Nacht oft schon sehr abkühlt. Zwar haben wir noch nicht Mitte September, aber die frühe herbstliche Vegetation, die Emsigkeit der Spinnen und nicht zuletzt die stabile Wetterlage mit morgendlich herbstlichen Nebelfeldern lässt einen verfrühten Altweibersommer vermuten.

Seinen Namen hat er von den zu dieser Jahreszeit durch die Luft flatternden glitzernden, hauchdünnen Spinnfäden, die an die silbernen Haare alter Weiber erinnern. Die Mythologie führt auf die Spuren von drei Nornen oder Parzen, von denen eine den Lebensfaden spinnt, die zweite ihn zum Lebensmuster verwebt und die dritte ihn abschneidet und vom Winde davon tragen läßt, während die erste ihn schon wieder gesponnen hat im ewigen Kreislauf des Lebens bzw. der Jahreszeiten.  (ch, mb)

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