03.09.2016 – Erdbeben im Westerzgebirge / Vogtland

Mofetten und Mineralablagerungen in Soos bei Franzensbad zeugen von vulkanischen Aktivitäten in der Tiefe.

Mofetten und Mineralablagerungen in Soos bei Franzensbad zeugen von vulkanischen Aktivitäten in der Tiefe.

Heute morgen wurde im Vogtland/Westerzgebirge um 02.03 Uhr ein Erdbeben mit einer vorläufig angegebenen Stärke von 3,0 registriert. Das Epizentrum wurde zwischen Greiz und Werdau lokalisiert. Nach Augenzeugenberichten waren die Erschütterungen im Vogtland, dem Westerzgebirge bis nach Zwickau und Chemnitz zu spüren. Es wurde mit einem Grollen und Vibrieren bis hin zu leichten Erschütterungen beschrieben. Gläser wackelten, Zeitungen fielen von Tischen herunter und vor allem im Raum Lengenfeld wurde von wackelnden Häusern und Knackgeräuschen aus dem Dachstuhl berichtet. Aktuelle Meldungen und Augenzeugenberichte können hier verfolgt sowie per Meldeformular eigene Meldungen abgegeben werden.

Im Vogtland kommt es immer wieder zu Erdbeben. Die Ursache ist noch nicht restlos geklärt. Bis vor einigen Jahren dominierten Schwarmbeben mit zum Teil sieben bis acht Jahren dazwischen. Als Ursache wird der Aufstieg von Flüssigkeiten aus dem Erdmantel in die Erdkruste angenommen, wo in großer Tiefe eine Magmablase das Wasser erwärmt. Es handelt sich hierbei um die Reste eines Vulkans, der vor ca. 300.000 Jahren erlosch. Das Magma erhitzt das Grundwasser und das heiße Wasser steigt auf. Wenn es sich dabei aufstaut, können Erdbeben entstehen, ähnlich wie bei einem Kochtopf, wo beim Kochen der Deckel wackelt. Allerdings verdanken dem aufsteigenden Warmwasser auch die Thermalquellen der Region (z.B. Bad Schlema, Bad Elster, Karlovy Vary, Marienbad) und die blubbernden Mofetten in Soos bei Franzensbad ihre Existenz.

Seit 2014 wird jedoch registriert, dass sich Spannungen nicht mehr schwarmartig entladen, sondern in einzelnen stärkeren Beben. Wissenschaftler vermuten deshalb, dass offensichtlich nicht mehr nur Wasser aufsteigt, sondern auch das Magma langsam Richtung Oberfläche drängt. Einen Aufschluss darüber geben zum Beispiel die Gase, die aus den Mineralquellen der Region stammen. Die Geochemiker fanden beispielsweise Helium-3. Dieses sogenannte Vulkangas strömt im Vogtland in solchen Größenordnungen aus dem Untergrund wie es sonst nur vom Ätna bekannt ist.

Grund zur Sorge gibt es allerdings nach Meinung der Wissenschaftler (vorerst) nicht, denn selbst wenn die aufsteigende Magma Vorbote für einen Vulkanausbruch sein sollte, so wird es noch viele Jahrtausende dauern, bis im Vogtland wieder ein Vulkan explodiert. (ch, wh)

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