Gruß aus der Sahara

Saharastaub1

Wüstenstimmung über dem Erzgebirge

Vielleicht hat sich der eine oder andere gestern gewundert, als am frühen Nachmittag die Sonne immer milchiger wurde, die Sicht stark zurückging und vor allem am Abend das Licht eine gelblich-rötliche Farbe annahm. Ursache war Saharastaub, der an der Vorderseite eines westeuropäischen Langwellentroges, der bis in die Wüstengebiete Marokkos und Algerien reicht, mit der südlichen Höhenströmung bis ins Erzgebirge transportiert wurde.

Der Trog wird in den nächsten Tagen regeneriert und bleibt weitgehend ortsfest, so daß begünstigt durch Hebungsvorgänge in der nordwestlichen Sahara auch in den kommenden Tagen Saharastaub von starken Winden aufgewirbelt, in höhere Luftschichten verfrachtet und von der großräumigen Strömung weit nach Norden über das Mittelmeer zu uns geführt werden kann.

Saharastaub

Ausbreitung des Saharastaubs über das Mittelmeer (Quelle MODIS/NASA) und Staubkonzentration über Nordafrika und Europa (Quelle: University Athen)

Neben fast schon apokalyptisch anmutenden Sonnenauf- und -untergangsstimmungen sind aufgrund der unzähligen Streupartikel in der Troposphäre noch andere interessante Effekte zu beobachten. Zum Beispiel fungiert die Staubschicht als Leinwand und bildet sehr schön die Schatten von Wolken ab. Zudem ist seit gestern Nachmittag um die Sonne eine schwache rostrote diffuse Scheibe zu sehen. Solch ein Ring wurde erstmals im Jahre 1883 von Sereno Bishop beschrieben, der nach dem Ausbruch des indonesischen Vulkans Krakatau eine „sehr eigentübliche Korona“ beobachtete, die „sich 20 bis 30 Grad von der Sonne weg erstreckt. … Ein weißlicher Schleier mit Rosafärbung und Lila- oder Purpurschatten vor dem blauen Hintergrund“. Diese Erscheinung wurde nach seinem Erstbeobachter „Ring von Bishop“ genannt und tritt dann auf, wenn sehr gleichförmige, kleine Aerosole das Sonnenlicht ablenken. Der Radius der Erscheinung variiert stark mit der Partikelgröße. Bei Saharastaub liegt er meist um die 20°, es wurden aber vor allem bei hochreichenden Vulkanaerosolen schon weitaus größere Ringe beobachtet. (ch)

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