Wetterbeobachter bei der Arbeit – Schneehöhenmessung

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Gerd Franze liest einen der 16 Schneepegel ab. (Fotos: ch)

Schneesituation am Gipfel. (Foto: wh)

Typische Schneesituation am Gipfel. (Foto: wh)

Eine präzise Schneehöhenmessung ist in exponierten Gipfellagen eine große Herausforderung. Denn aufgrund hoher Verwehungen (bis 5 Meter) auf dem nahezu baumfreien Gipfel würde eine Punktmessung, wie von einem Automaten praktiziert, nicht viel Sinn machen. Deshalb gibt es auf dem Fichtelberg in jede Haupt-Himmelsrichtung eine Messstrecke von 100 bis 150 m Länge (je nach Geländebeschaffenheit) mit jeweils 4 Messpegeln, also insgesamt 16 Messpunkten in unberührtem Gelände, die je nach Veränderungen durch Abtauen oder Zuwachs mindestens einmal in der Woche mit Schneeschuhen abgewandert werden. Aus dieser Vielzahl von Einzelmessungen wird ein Mittelwert gebildet, der die Schneehöhe repräsentiert.

Für die Suche nach den richtigen Standorten ist viel Bergerfahrung nötig. In freien Lagen wird die Schneedecke durch den Wind stark verfrachtet. In dichteren Waldgebieten sollten die Pegel aber ebenfalls nicht stehen. Sträucher und Bäume bremsen den Windeinfluss je nach Wuchshöhe zwar ab, haben aber gleichzeitig den Effekt, dass der fallende Schnee durch die Bäume abgefangen wird, so dass erheblich weniger am Erdboden ankommt. Zudem hängt die Schneehöhe auch von der Windrichtung ab. Im Luvbereich ist sie vor allem bei Pulverschnee geringer als im Leebereich, wo zum gefallenem oft noch der vom Gipfelplateau verwehte Schnee hinzukommt. Weiterhin wird die Schneedecke durch Steilheit und Richtung der Hangneigung in Bezug zur Sonneneinstrahlung beeinflusst. Nordhänge halten den Schnee viel länger als Südhänge.

Diese und noch einige andere Einflussfaktoren wie Niederschlagsart (nasse oder trockene, große oder kleine Flocken, Graupel, Schneegriesel und Eiskörner), Bewuchs mit Bäumen oder Sträuchern, sowie die nicht geeignete Nähe zur Zufahrtsstraße, Schneisen und Skipisten müssen bei der Standortsuche berücksichtigt werden. Deshalb wurden auf dem Fichtelberg schon immer die Messungen dort vorgenommen, wo der Baumbestand nicht zu dicht und nicht zu hoch war und menschliche Aktivitäten ausgeschlossen sind.

In den 1940er Jahren waren es 30 Einzelmessungen mit jeweils 10 Messungen in drei Himmelsrichtungen. Ab 1951 wurde auf 40 Einzelmessungen, pro Haupthimmelsrichtung 10 übergegangen und zusätzlich ein Standschneepegel zum Vergleich errichtet. 2006 wurden diese auf 16 (4 pro Haupthimmelsrichtung) als ausreichend eingeschätzt und entsprechend reduziert.

Die folgenden Bilder zeigen Gerd Franze bei der Schneehöhenmessung. Da sich die Messpunkte in unberührtem Gelände befinden, sind Schneeschuhe erforderlich. (gf, ch)

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