27.01.2016 – Föhn geht dem Schnee an den Kragen

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Eigentlich haben die Vorhersagen (und wir) bis Anfang der Woche noch gehofft, dass der Schnee zumindest im oberen Bergland die Wärmeperiode überlebt. Aber föhniger Südwestwind und Temperaturen, die selbst nachts kaum unter 5°C sanken, verwandelten den letzte Woche noch traumhaft schönen Schnee selbst auf dem Fichtelberg  in unansehnlichen Firn und Matsch. Zwar ist Skibetrieb weiterhin möglich, aber vom Wintermärchen ist nichts mehr übrig. Tagsüber kletterten die Temperaturen gestern und heute auf dem Fichtelberg auf 5°C, in Aue und Schwarzenberg sogar auf 12 bzw. 13°C. Dazu blies auf dem Fichtelberg ein starker Wind mit höchster Windspitze von 102 km/h in der Nacht zum Mittwoch. Interessant waren zudem die Föhndurchbrüche in Schwarzenberg, mit jeder starken Windböe kletterte die Temperatur mehrere Grad nach oben. So stieg sie selbst in der Nacht zeitweise auf 11°C an.

Der Föhn ist ein warmer, trockener Fallwind, welcher auf der Luftströmung abgewandte Leeseite von größeren Gebirgen auftritt. Ursprünglich wurde der Begriff ausschließlich für die warmen Winde im Alpenraum verwendet. Bei bestimmten Wetterlagen kommt es allerdings auch an den Rändern der deutschen Mittelgebirge zu Föhneffekten, wenn auch nicht in alpinen Größenordnungen. Das Erzgebirge macht davon keine Ausnahme. In seiner von Südwest nach Nordost gerichteten Lage sind es nicht nur West- oder Nordwestwetterlagen, die am Südrand des Erzgebirges föhnartige Fallwinde erzeugen. Auch auf der sächsischen Nordseite treten bei Südwest-, Süd- und Südostwetterlagen unter bestimmten Voraussetzungen Föhneffekte auf. Im Gegensatz zu den Alpen, die hoch und breit genug sind, um jegliche kälter temperierte Luftmassen zurückzuhalten, sind Föhneffekte im Erzgebirge regional sehr unterschiedlich. Es steigt von Norden her aus der sächsischen Tiefebene (ca. 150 Meter über NN) wie eine breite, schrägaufgerichtete Pultplatte sanft an, im Osterzgebirge auf etwa 900 Meter, im Westerzgebirge auf über 1000 Meter bis zum Fichtelberg (1215m) und Keilberg (1244m). Auf der Südseite fällt das Gebirge sehr steil ab (ca. 600-700m auf 4-5 km Luftlinie).

Charakteristisch für Föhn sind Föhnfische (lateinisch Altocumulus lenticularis), die fast stationär am Himmel stehen, aber ihre Form stark verändern. Diese können einfach, oder in selteneren Fällen, so wie auch heute, mehrstöckig sein. Anbei einige Fotos vom Schneeschwund an der Wetterwarte und vom heutigen Föhn auf dem Fichtel- und Keilberg sowie ein Zeitraffervideo, welches uns Kevin Förster zur Verfügung stellt. (ch, kf)

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