Ungewöhnliche Schneezapfen

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Ungewöhnliche Schneestrukturen. Foto: Gerd Franze

Am letzten Dienstag (5.01.) boten viele Bäume an windgeschützten Stellen rund um den Fichtelberg einen wundersamen Anblick: An den Ästen hingen unzählige Schneestalagtiten von sehr zarter zerbrechlicher Struktur. Das bloße Dagegenpusten reichte aus, um sie zu zerstören. Sie waren etwa 5-20 Zentimeter lang, die kompakten „Schneezapfen“ auch noch etwas länger.

Wie diese bizarren Schneezapfen entstanden, darüber kann nur spekuliert werden. Entstanden sind sie wahrscheinlich am Vortag, wo das Wetter sehr ungewöhnlich war. Es fielen unzählige kleinste Eiskristalle, die auf dem Gipfel sogar für einen Zuwachs der Schneedecke sorgten. Die Temperaturen stiegen im Tagesverlauf von -12 auf -3°C und der Wind drehte von Südost auf West. Dazu gab es den ganzen Tag Nebel, der vor allem in der Nacht sehr dicht war und vor allem an schneefreien Gegenständen bildete sich Raureif und später kompakterer Raufrost. Dennoch scheidet Nebelfrost bei der Bildung dieser Schneestrukturen aus, denn Nebelfrost wächst nicht nach unten, sondern dem Wind entgegen, wie diese Vergleichsfotos zeigen.

Am ehesten erinnern die Formen an Eiszapfen. Sie wachsen, wenn tropfenweise Wasser an ihnen herunter läuft und an den Spitzen festfriert. Vielleicht sind in unserem Fall winzige Nebeltröpfchen herunter gelaufen und dann auskristallisiert?

Falls jemand eine andere Erklärung hat, ist diese natürlich sehr willkommen. Ansonsten können wir nur hoffen, dass sich dieses Schauspiel irgendwann wiederholt und wir vielleicht die Entstehung beobachten und näher analysieren können. (ch, gf)

Weitere Fotos von den Schneezapfen von Gerd Franze (Bilder 1-12) und Claudia Hinz (Bilder 13-16)

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Eine Antwort zu Ungewöhnliche Schneezapfen

  1. Alfons Beffert schreibt:

    Résumé der Wetterlage vom 04./05.01.2016:

    Am 04.01.2016 wurden bei zunächst mäßigem Frost aus südöstlicher Richtung trockene Luftmassen mit Windgeschwindigkeiten um 8 m/s herangeführt. Der Dampfdruck betrug bis gegen 10 UTC etwa 2,5 hPa. Bei leichtem Schneefall war der Fichtelberg in Wolken. Die Sichtweite betrug weniger als 200 m.

    Gegen 10 UTC drehte der Wind über Süd auf südwestliche Richtung. Dabei nahm die Windgeschwindigkeit auf über 10 m/s zu und der Frost schwächte sich kontinuierlich ab. Gegen Mitternacht betrug die Lufttemperatur nur mehr -3°C. In der Folge stieg der Dampfdruck auf fast 5 hPa an.

    Der leichte Schneefall hielt fast den ganzen Tag an, lediglich zwischen 17 und 19 UTC wurde Reifbildung gemeldet.

    An der Wettersituation änderte sich am 05.01.2016 nur wenig. Bis gegen 10 UTC verblieb der Fichtelberg in Wolken. Der leichte Schneefall hörte, von wenigen Ausnahmen abgesehen, gegen 01 UTC auf und es wurde vermehrt Reifansatz gemeldet. Der Wind wehte nach wie vor aus südwestlicher bis westlicher Richtung mit 8 bis 10 m/s. Die Lufttemperatur stieg leicht auf -2°C an, der Dampfdruck betrug etwa 5 hPa.

    Bildmaterial:

    Es ist voraus zu schicken, dass nicht bekannt ist, wo die Aufnahmen gemacht wurden. So fehlt vor allem die Kenntnis, wie geschützt der Bewuchs gegen die Windeinwirkungen ist bzw. war.
    Die Bilder zeigen zunächst verschneite Äste und Zweige. Auf manchen liegen mehrere cm Schnee, manche sind teilweise schneefrei. Bemerkenswert sind die darunter liegenden vertikal angeordneten Ablagerungen, die man bei Bild 1186 sehr gut sehen kann. Bei horizontaler Anordnung würde man sie ohne weiteres als Raureif bezeichnen, die gegen den Wind wachsen. Dem ist aber nicht so. Manche der Zweige haben sogar keine Schneeauflage (Bild 2482) und nur die nach unten sich verjüngenden Gebilde.

    Bei starker Vergrößerung kann man erkennen, dass diese Gebilde aus Kristallen aufgebaut sind, die sich anscheinend verhakt haben. Diese kristallartige Struktur ist auch auf der Schneeablagerung (Bild 1186) gut erkennbar.

    Bewertung:
    Der bei sehr niedrigen Lufttemperaturen und niedrigem Dampfdruck fallende Pulverschnee hat sich zunächst auf den Ästen abgelagert und teilweise zu einer Schneeauflage geführt. Da der leichte Schneefall mit einer relativ hohen Windgeschwindigkeit einherging, konnten die Schneekristalle in den Baumbestand eindringen und sich auch unterhalb der Zweige mit den darüber liegenden Schneekristallen verhaken und nach unten wachsen. Im Gegensatz zu Raureif, der durch unterkühlte Nebeltröpfchen entsteht, waren bei diesem Vorgang wohl nur Schneekristalle am Werk.

    Der gleichmäßig wehende Wind hat wohl dafür gesorgt, dass sich die Kristalle gut verhaken konnten. Allerdings dürfte die Windgeschwindigkeit im Baumbestand im Vergleich zur ungestörten Anströmung des Windmastes deutlich reduziert gewesen sein. Dadurch war die Windwirkung im Vergleich zum Prozess der Raureifbildung weniger bedeutend, so dass sich die Kristallgebilde vertikal entwickeln konnten.

    Dieser gesamte Vorgang dauerte einige Stunden an. Die Kristallstruktur konnte daher langsam wachsen und durch die niedrige absolute Feuchte waren diese Gebilde folglich sehr locker geschichtet.

    Mit dem Wechsel der Anströmrichtung wurden Luftmassen mit höherem Feuchtegehalt herangeführt, wobei die Lufttemperatur immer noch unter 0°C lag. Der höhere Dampfdruck wird dazu beigetragen haben, dass die Kristallgebilde in ihrer Struktur stabilisiert wurden. Auch dieser Vorgang vollzog sich, bei gelegentlichem leichtem Schneefall, über einen langen Zeitraum.

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