Weihnachten 2015 – Von Weiss keine Spur

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Der letzte Schneerest auf dem Fichtelberg schwindet … (Foto: mb)

Morgen ist bereits der 4. Advent und von Winter ist nach wie vor keine Spur. Zu Beginn der kommenden Woche zieht mit kräftigem Wind erneut Regen durch, bevor es an Weihnachten wieder trockener und sehr mild wird. In den Tälern werden zweistellige Weihnachtshöchsttemperaturen erwartet. Und selbst im oberen Erzgebirge tendieren die Chancen auf weiße Weihnachten inzwischen gegen Null.

Hat es grüne Weihnachten auf dem Fichtelberg schon einmal gegeben? Beim Blick in die fast 100 jährigen Beobachtungsreihe sind wir wider Erwarten fündig geworden:

Jahr                 24.Dezember       25.Dezember       26.Dezember

2014                  Flecken                  4 cm                   15 cm

1987                  Flecken                Flecken              kein Schnee 

1949                  Flecken                Flecken                Flecken 

1934                 kein Schnee         kein Schnee         kein Schnee

1932                 kein Schnee             1 cm                    1 cm

1924                 kein Schnee         kein Schnee         kein Schnee 

Aber was ist da los in der Wetterküche? Seit Anfang Dezember hat sich eine sehr hartnäckige Südwestwetterlage eingestellt. Dabei bilden sich immer wieder Tiefdruckgebiete bei Neufundland, die Richtung Europa ziehen. Über Süd- und Osteuropa liegt gleichzeitig ein Hochdruckgebiet, das die atlantischen Tiefdruckgebiete dann aber auf eine Südwest-Nordostzugbahn über Großbritannien nach Nordskandinavien zwingt. Mitteleuropa verbleibt dabei zwischen den Tiefdruckgebieten und dem erwähnten Hoch in einer recht straffen Südwestströmung, in der es immer wieder zum Vorstoß von sehr milder subtropischer Meeresluft kommt.

Für die Stabilität der Wetterlage ist der Polarwirbel verantwortlich. Dieses mit Kaltluft angefüllte Höhentief bildet sich aufgrund der Abkühlung im Winterhalbjahr in der Troposphäre und Stratosphäre nahe dem Nordpol aus und markiert die Region der kältesten Luft. Nun liegt es schon länger recht kompakt und stabil mit seinem Zentrum zwischen Nordkanada und Grönland und verlagert sich nur langsam. Von dort aus fließt die Kaltluft über den relativ warmen Nordatlantik. Dies führt dort immer wieder zur Entwicklung von Tiefdruckgebieten, so dass die Tiefdruckkette und die daraus für uns folgende Südwestströmung nicht abreißen kann. Dieses Zirkulationsmuster ist äußerst stabil und war typisch für die meisten deutlich zu milden Winter, wie z. B. 2006/07, 2007/08 und 2013/14.

Um noch Winterwetter zu bekommen, müsste sich zunächst ein Hoch über dem Atlantik, Nordmeer oder Skandinavien aufbauen, das die atlantischen Tiefdruckgebiete in ihrer Südwest-Nordostzugbahn blockiert. Gleichzeitig wäre es dann günstig, wenn über Osteuropa ein Tiefdruckgebiet zum Liegen kommt, das uns auf seiner Rückseite mit einer nördlichen bis östlichen Strömung mit arktischer Kaltluft versorgt. Leider sind sich die Wettermodelle einig, dass dies in diesem Jahr nicht mehr passieren wird. Aber der Winter fängt ja gerade erst an, insofern sollten wir die Hoffnung nicht aufgeben! (gf, mb, ch, dwd-Thema des Tages)

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