Laubfärbung

IMG-20150930-WA0001

Laubverfärbung nahe Bärenstein (mb)

Zwei alte Bauernregeln besagen: „Fällt das Laub zeitig im Garten, ist schöner Herbst und gelinder Winter zu erwarten.“ und „Hängt das Laub bis November hinein, wird der Winter lange sein.“ Was ist an diesen Bauernregeln dran?

Dazu soll zunächst einmal erklärt werden, warum die Bäume im Herbst ihr Laub verlieren. Bäume gewinnen ihre Energie aus Sonnenlicht durch Fotosynthese. Dazu benötigen sie Chlorophyll, den grünen Blattfarbstoff. Wegen fehlendem Licht und der zunehmenden Kälte kann die Fotosynthese im Winter nicht stattfinden. Des Weiteren verlieren Laubbäume über ihre Blätter viel Wasser, das im Winter bei gefrorenem Boden durch die Wurzeln nur schwer nachgeliefert werden kann. Deshalb ziehen Laubbäume im Herbst alle Nährstoffe aus den Blättern zurück. Dabei wird das grüne Chlorophyll in den Blättern abgebaut. Zurück bleiben gelbe und rote Blattfarbstoffe, die langsamer abgebaut, oder noch aufgebaut werden. Dadurch entsteht die typisch leuchtend rote und gelbe Färbung der Blätter, wie sie sich derzeit in der Natur überall beobachten lässt. Sind dem Blatt alle Nährstoffe entzogen, wächst eine Trennschicht zwischen Blattstiel und Zweig. Nun genügt ein leichter Windstoß, um das Blatt vom Baum zu trennen.

Durch die Laubfärbung beziehungsweise den Laubfall wird in der Phänologie unter anderem auch der Beginn des Vollherbstes und des Spätherbstes definiert. Die phänologischen Jahreszeiten richten sich nach den für die Jahreszeit charakteristischen Entwicklungsstadien verschiedener mitteleuropäischer Pflanzen. Der Vollherbst beginnt, wenn Rosskastanie, Eiche, Esche und Rotbuche ihr Laub verfärben. Der Spätherbst beginnt, wenn diese Baumarten ihr Laub verlieren. Ausgelöst wird dieser Prozess durch die sich verkürzende Tageslänge und die sinkende Temperatur. Nach mehreren kühlen Nächten wird das Chlorophyll entsprechend schneller abgebaut. So richten sich die Blattfärbung und der Laubfall nach dem vorherrschenden Wetter im Herbst, anstatt nach der Witterung im kommenden Winter. Deshalb lassen sich auch mit diesen Bauernregeln keine Aussagen über den Verlauf des kommenden Winters treffen.

Betrachtet man die Laubfärbung am Beispiel der Rotbuche, so lässt sich feststellen, dass diese dieses Jahr etwa 7 Tagen später eingesetzt hat, als im langjährigen Mittel. Zwar war die erste Oktoberhälfte zu kalt, dennoch fehlten bisher längere Perioden mit Nachtfrost, die eine schnellere Laubfärbung begünstigen. (Dipl.-Met. Christian Herold, DWD, Thema des Tages)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Wettermythen und Bauernegeln, Wetterwissen abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s