Wie wird der Winter?

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Wohin führt die Straße des Winters? (mb)

In der Presse geistern seit einigen Wochen Meldungen über einen uns bevorstehenden eisigkalten und extrem schneereichen Winter herum. Wir bekommen deshalb sehr viele Anfragen von besorgten Mitmenschen, denn der frühe Wintereinbruch scheint die schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen.

Deshalb zuerst die für einige hoffnungsvolle, für andere jedoch ernüchternde Erkenntnis: Man kann das Wetter nicht seriös für mehr als eine Woche im Voraus vorhersagen, geschweige denn für eine komplette Jahreszeit. Kaum eine Jahreszeitenvorhersage der letzten Jahre ist auch wirklich so eingetroffen. Dennoch wird immer wieder versucht, anhand von Großwetterlagen und Statistik Langfristvorhersagen machen zu wollen.

Ein Blick in die Statistik zeigt zudem, dass sich die Begriffe „eisigkalt“ und „extrem schneereich“ als Charakterisierung eines Winters regelrecht widersprechen. Größere Schneemengen bekommen wir vor allem bei vergleichsweise milden Westwetterlagen oder bei Mittelmeertiefs aus dem Süden. Große Kälte ereilt uns beim Vorstoss russischer Hochdruckgebiete, wenn eisige sibirische Festlandsluft angezapft wird. In diesen Fällen gibt es allerdings kaum Niederschläge. Insofern ist ein eiskalter und schneereicher Winter nur dann zu erwarten, wenn auf eine größere Menge Schnee ein Kältehoch folgt und das Weiß längere Zeit überleben lässt. Das ist im höheren Bergland recht häufig, im Flachland (etwa Chemnitz) aber nur in etwa 10% aller Winter der Fall.

Aus dem heißen Sommer lassen sich ebenso wenig höhere statistische Wahrscheinlichkeiten ableiten, wie aus dem frühen Schneefall. So war der Oktober 2010 ähnlich kalt und auch 2002 gab es im Erzgebirge am 8. Oktober die erste Schneedecke. Die folgenden beiden Winter waren eher durchschnittlich und es gab relativ wenig Schnee. Nach dem Jahrhundertsommer 2013 folgte ein etwas zu kalter aber sehr schneearmer Winter. Nach den warmen Sommermonaten der Jahre 1947, 1983 und 1994 folgte ein durchschnittlicher bis zu warmer Winter mit normalen bis unterdurchschnittlichen Schneehöhen.

Einen Anhaltspunkt für eine vage Tendenz gibt es aber dann doch, denn momentan haben wir die Besonderheit, dass nach dem heißen Sommer das Mittelmeer viel zu warm, der Nordatlantik jedoch zu kalt ist. Das könnte zur Folge haben, dass Mitteleuropa zum Kampfgebiet der Luftmassen wird, was mit größeren Niederschlägen verbunden sein könnte. Auch das warme Mittelmeer könnte einige sehr niederschlagsreiche Tiefs über die Alpen und vielleicht sogar bis ins Erzgebirge schicken. In den Alpen könnte diese Konstellation für etwas mehr Schnee sorgen als in den letzten Jahren. In tieferen Lagen entscheiden die (noch) nicht vorhersagbaren Temperaturen, ob es regnet oder schneit.

Eine sichere Vorhersage ist das jedoch keinesfalls. Denn derzeit sind Islandtief und Azorenhoch nur schwach ausgeprägt, womit die Westwinddrift zumindest vorübergehend „einschlafen“ könnte. So könnten osteuropäische Kältehochs immer wieder bis nach Mitteleuropa vordringen, während sich die abgeschwächte Westdrift nach Süden verlagert.

Es ist also alles möglich und vielleicht wird es auch wieder ein ganz normaler mitteleuropäischer Winter, der viel Abwechslung bietet, und von Schneefällen über das Weihnachtstauwetter bis hin zu eiskalten Nächten sein gesamtes Repertoire ausspielt. Warten wir also ab und harren der Dinge, die da kommen mögen. Ändern können wir es eh nicht … (ch)

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