Kaltlufttropfen plant ein kurzes Winterintermezzo

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Heute zeigte sich das Wetter im Erzgebirge nochmals von seiner goldenen Seite. Die Wolken stauten sich am Alpenhauptkamm, in den meisten Gebieten war es aber nochmals herrlich sonnig. Auf dem Fichtelberg war es oberhalb des Wolkenmeers besonders schön.

Wie bereits in der letzten Woche vermutet, könnte es morgen ein kurzes Winterintermezzo geben. Ein Kaltlufttropfen aus sehr kalter Luft polaren Ursprungs zieht kommende Nacht von Osten her über uns hinweg nach Frankreich und bringt voraussichtlich Schnee bis auf 300 Meter herunter. Wenn wir also morgen früh aufwachen, könnte es verbreitet weiß sein.

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Leider machen Kaltlufttropfen den Vorhersage-Meteorologen das Leben schwer, da sie sehr klein und am Boden nicht als Tiefdruckgebiet erkennbar sind. Außerdem ist es schwierig vorhersagbar, welche genaue Zugrichtung er nimmt – oder ob er gar weitgehend ortsbeständig ist. Der Deutsche Wetterdienst hat den Kaltlufttropfen kürzlich zum Thema des Tages gemacht, welches nachfolgend in Auszügen wiedergegeben wird. (ch)

„Bei einem Kaltlufttropfen handelt es sich um ein nur in der mittleren und höheren Troposphäre ausgebildetes Tief, bei dem die Wettermodelle so ihre liebe Müh‘ und Not haben, eine vernünftige Vorhersage hinzubekommen. Dem Vorhersage-Meteorologen bereitet so ein Kaltlufttropfen daher großes Kopfzerbrechen, oftmals muss er sich dabei vorkommen wie ein Tormann beim Fußball, wenn es einen Elfmeter gibt. Im Prinzip weiß er nämlich, wie er den Ball halten kann (bzw. die Vorhersage machen kann), oft genug fällt aber eben doch ein Tor (bzw. die Vorhersage geht daneben).

Ein Kaltlufttropfen entsteht in den meisten Fällen als Produkt eines Abschnürungsprozesses („Cut-Off-Prozess“) eines Troges in der mittleren und höheren Troposphäre. Der Höhentrog selber ist ein Gebilde tiefen Luftdrucks in höheren Schichten, der angefüllt ist mit kalter Luft. Zur Identifizierung werden sogenannte 500 hPa-Geopotenzial-Karten herangezogen, die die dynamischen Verhältnisse in etwa 5,5 km Höhe wiedergeben. Dabei zeigt sich in diesen Karten der Trog durch eine Art Ausbuchtung, die häufig nach Süden gerichtet ist. In einigen Fällen kann es passieren, dass sich diese Ausbuchtung von der eigentlichen Höhenströmung ablöst und ein eigenes Leben als Cut-Off-Tief oder als Kaltlufttropfen weiterführt.

Im Unterschied zu einem Cut-Off-Tief ist der Kaltlufttropfen nicht über die gesamte Troposphäre zu erkennen. Oftmals befinden sie sich im Randbereich eines Bodenhochs, außerdem ist keine Frontenaktivität am Boden vorhanden und es gibt auch keine geschlossene Bodenisobare (weitere Informationen zum Thema finden Sie im Lexikon unter www.dwd.de/lexikon, Stichwort „Kaltlufttropfen“).

Der mit Kaltluft angefüllte Tropfen hat meist ein kreisrundes Aussehen und „schwimmt“ – ähnlich wie ein Fetttropfen in einer heißen Suppe – in der ihn umgebenden wärmeren Luft. Genau das macht die Vorhersage aber so schwierig. So gibt es vor allem bei der Zugbahn und der Lebensdauer Probleme. Schon wenige Kilometer Unterschied in der Lage können wesentliche Änderungen für die Vorhersage an einem Ort bedeuten. Anstatt vorhergesagten Sonnenscheins tauchen auf einmal dichte Wolken auf, die vielleicht sogar Regen bringen. Elfmeter nicht gehalten, schade.“ (Dipl.-Met. Simon Trippler, DWD, Thema des Tages)

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