Von der Schafskälte zum Siebenschläfer

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Sommer auf dem Fichtelberg

Die Schafskälte war in diesem Jahr ungewöhnlich lang und gestern Morgen gab es in Marienberg-Kühnheide den letzten Frost. In 2 Meter Höhe wurden dort -1,1°C, am Erdboden sogar -3,3°C gemessen. Nun endlich gehen die Temperaturen wieder steil nach oben und Mitte kommender Woche werden auch bei uns im Flachland 30°C und in den Kammlagen des Erzgebirges immerhin 25°C angepeilt. Ist das ein gutes Omen für den morgigen Siebenschläfer?

Bauernregeln besagen so oder so ähnlich:
Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass.
Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne.

Wie die Schafskälte ist auch der Siebenschläfer eine meteorologische Singularität. Sie gilt aber nicht für den Siebenschläfertag selbst, denn da diese Bauernregel schon deutlich vor der gregorianischen Kalenderreform von 1582 entstand, ist der heutige Siebenschläfertag eigentlich der 7. Juli. Im kontinentalen Süddeutschland trifft sie in acht von zehn Sommern zu, im stärker maritim geprägten Norden erreicht sie immerhin noch eine Trefferquote von 67 Prozent. Denn Anfang Juli stellt sich häufig die vom Jetstream abhängige Großwetterlage für den Sommer ein, welche sich üblicherweise bis Mitte August stabilisiert. Liegt der Jetstream im Norden, so werden Tiefdruckgebiete meist in Richtung Nordeuropa abgelenkt und Hochdruckgebiete dominieren das Wetter im südlichen Mitteleuropa, liegt er weiter südlich, so können Tiefs über Mitteleuropa hinweg ziehen.

Aber wie sieht die Wetterlage kommende Woche bei uns aus? Vom Norden Afrikas erstreckt sich ein mächtiges Hochdruckgebiet über Mitteleuropa bis nach Skandinavien, welches beiderseits von zwei Höhentiefs, eines westlich und eines östlich davon, flankiert wird. Solche sogenannten Omega-Wetterlagen, benannt nach dem Großbuchstaben Omega, dem das Druckgebilde stark ähnelt, sind oft über einen längeren Zeitraum hin stabil. Bei dieser beständigen Wetterlage wird trockene und warme Luft herangeführt, in der es in der zweiten Wochenhälfte richtig warm werden kann. Die heiße Saharaluft bleibt aber vermutlich westlich von uns, sodass es in Frankreich noch deutlich schweißtreibender zugehen wird als bei uns. Sollte die Siebenschläferregel in diesem Jahr zutreffen, sieht es für den Sommer sehr gut aus!

Zwischenablage01

Übrigens leitet sich der Name des Siebenschläfertages nicht vom gleichnamigen Nagetier ab. Denn das ist vor wenigen Wochen erst aus dem Winterschlaf erwacht, weswegen ihm das Wetter ziemlich egal ist. Der Name stammt von einer alten Legende, wonach in der Zeit der Christenverfolgung sieben junge Christen in einer Berghütte lebendig eingemauert worden sein sollen und in einen tiefen Schlaf verfielen. Nach 195 Jahren, an einem 27. Juni, wurden sie zufällig entdeckt, wachten auf, bezeugten den Glauben an die Auferstehung der Toten und starben wenig später. Seitdem gilt der 27. Juni als Gedenktag an die sieben Schläfer. (ch)

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