Grüner Strahl an der Sonne und „Perlschnur“-Sonnenuntergang

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Bei einer Inversionswetterlage wie in der letzten Woche kann man nicht nur gelegentliche Luftspiegelungen an entfernten Bergen beobachten (wie hier beschrieben), auch die Sonne wird beim Untergang durch Spiegelungseffekte stark verzerrt. Unter diesen Bedingungen ist noch ein weiteres Phänomen an der Sonne beobachtbar, der grüne Strahl. Die Beobachtung ist aufgrund der großen Blendwirkung der Sonne sehr schwierig und man sollte es unbedingt vermeiden, mit bloßem ungeschütztem Auge in die Sonne zu blicken! Als Hilfsmittel zur Lichtminderung eignen sich Graufilter, Sofi-Brillen, Alu-Folie oder eine CD. Die sicherste Methode ist aber, den Sonnenuntergang über Live-View an der Kamera zu beobachten. Bei neueren DSLR-Kameras lässt sich das Bild auf dem Display bis um das 10-fache vergrößern. Zum Fotografieren eignet sich ein Objektiv mit langer Brennweite und mehreren Graufiltern, die bei Lichtabnahme nach und nach entfernt werden können.

Nähert sich die Sonne dem Horizont, wird sie je nach Schichtung der horizontnahen Luft stark deformiert. Am oberen Sonnenrand werden immer wieder Segmente abgeschnürt, die anschließend in leuchtendem Grün verglühen. Dieses sogenannte Grüne Segment hält sich am längsten und lässt sich aufgrund der Vorhersehbarkeit am einfachsten fotografieren. Ein schönes Beispiel konnte ich am 28.10.2014 vom Fichtelberg aus beobachten.

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Bei sehr klarer Luft lassen sich manchmal blaugrüne Flämmchen am Sonnenrand beobachten. Ein Grüner Blitz ist meist nur ein Bruchteil einer Sekunde zu sehen und zwar gewöhnlich dann, wenn der letzte Rest der Sonne am Horizont verschwindet. Bei mehreren unterschiedlich dichten Luftschichten kann es allerdings passieren, dass die grünen Flämmchen die Sonne beim Untergang fast dauerhaft begleiten. Einen solchen Fall erlebte ich am 19. Februar auf dem Fichtelberg. Insgesamt zählte ich den Grünen Blitz 37 Mal, zusätzlich waren einige Grüne Segmente dabei.

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Wenn sich unter dem Beobachterstandort eine Wolkendecke befindet, dann zeigt sich manchmal ein weiteres interessantes Phänomen. Die Sonne verschwindet nicht als „Kugel“, sondern sie läuft am Horizont breit und ist schließlich nur noch als eine leuchtende waagerechte Linie zu sehen, die zunehmend die Form einer Perlschnur annimmt. Die letzten leuchtenden Perlen verglühen oft erst mehrere Minuten nach dem eigentlichen Sonnenuntergang. Dieses Perlschnurphänomen wurde zuerst im Jahre 1901 von dem britischen Amateur-Astronomen John Franklin-Adams  dokumentiert. Er beobachtete die Erscheinung mehrfach vom Schiff aus und führte sie auf den Wellengang am Horizont zurück. Auch, wenn es im ersten Augenblick absurd klingt, die Bedingungen bei einem Wolkenmeer ähneln denen auf dem Ozean. Die fließenden Wolken haben eine wellige Oberfläche und wie auf dem Meer ist es auch an der Wolkenoberfläche am kältesten, so dass der Lichtstrahl reflektiert und das Objekt (in diesem Fall die Sonne selbst) nach oben angehoben wird. Durch die Lücken von Meeres- oder Wolkenwellen blinzeln dann die leuchtenden Perlen hindurch. (ch)

Entstehung des Grünen Strahls bei meteoros.de

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3 Antworten zu Grüner Strahl an der Sonne und „Perlschnur“-Sonnenuntergang

  1. Manfred Kottke schreibt:

    Toll und wieder etwas dazu gelernt.
    Schöne Zeit
    manfred

    Gefällt 1 Person

  2. findi schreibt:

    Starker Artikel und spitzen Bilder! Grüße aus 10499

    Gefällt 1 Person

  3. Claudia Hinz schreibt:

    Vielen Dank für die Kommentare. Wenn solche Artikel so gut ankommen, werden wir öfter mal ungewöhnliche Erscheinungen erklären. Wenn ihr spezielle Wünsche habt, lasst es uns wissen 🙂

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